VII · Darmflora
Probiotika
auch: Milchsäurebakterien · Lactobacillus · Bifidobacterium · Laktobazillen
Wirkung immer stammspezifisch — die Gattung auf der Packung sagt für sich genommen fast nichts aus.
Studienlage
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Was über Probiotika gesagt werden darf
Beantragte gesundheitsbezogene Angaben wurden von der EFSA geprüft und nicht zugelassen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.
Alle bislang beantragten Angaben zu Probiotika wurden abgelehnt. Der deutschen Rechtsauffassung nach gilt sogar das Wort „probiotisch“ selbst als unzulässige gesundheitsbezogene Angabe — deshalb heißt es auf Verpackungen meist nur „Kulturen“ oder „Bakterienstämme“.
Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert
Der Stamm ist die Information, nicht die Gattung
Auf vielen Packungen steht „Lactobacillus“ und darunter eine große Zahl. Das ist ungefähr so aussagekräftig wie „Hund“ auf einem Tierheimschild. Wirksamkeit ist bei Probiotika stammspezifisch: Untersucht und belegt sind einzelne Stämme, erkennbar an der dreiteiligen Bezeichnung aus Gattung, Art und Stammkürzel — etwa Lacticaseibacillus rhamnosus GG oder Saccharomyces boulardii CNCM I-745.
Fehlt das Stammkürzel, lässt sich zu keiner Studie ein Bezug herstellen. Das ist das erste, was man beim Vergleich zweier Präparate nachsieht.
Was belegt ist — und was nicht
Am ordentlichsten untersucht ist die Vorbeugung von Antibiotika-assoziiertem Durchfall; Cochrane-Auswertungen finden dafür einen Effekt bei bestimmten Stämmen. Ebenfalls Hinweise gibt es bei akutem Infektdurchfall bei Kindern und in Teilen beim Reizdarmsyndrom.
Deutlich dünner ist die Lage überall dort, wo Probiotika als Rundum-Lösung beworben werden: für Immunsystem, Stimmung, Gewicht oder Haut. Die EFSA hat sämtliche beantragten Angaben abgelehnt.
Das Wortverbot
Eine Kuriosität des deutschen Lebensmittelrechts: Das Wort „probiotisch“ gilt hierzulande selbst als gesundheitsbezogene Angabe und ist damit unzulässig, solange kein Claim zugelassen ist. Deshalb heißt es auf den Packungen „mit lebenden Kulturen“ oder schlicht „Bakterienkulturen“.
Verbindungen im Vergleich
Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.
| Form | Aufnahme | Anmerkung |
|---|---|---|
| Kapseln mit magensaftresistenter Hülle | hoch | Schützt die Keime vor der Magensäure. Ohne Schutz überlebt je nach Stamm nur ein Bruchteil. |
| Gefriergetrocknetes Pulver | mittel | Keimzahl sinkt mit Wärme und Zeit. Auf ein Haltbarkeitsdatum mit Keimzahlgarantie achten, nicht auf die Keimzahl bei Herstellung. |
| Fermentierte Lebensmittel | hoch | Joghurt, Kefir, Sauerkraut, Kimchi. Keine definierten Stämme, dafür lebendige Vielfalt und Nährstoffe dazu. |
Wechselwirkungen
Antibiotika
hemmtAntibiotika töten auch die zugeführten Keime. Zeitversetzt einnehmen; die belegte Anwendung ist gerade die Vorbeugung von Antibiotika-assoziiertem Durchfall.
Immunsuppressiva
VorsichtBei stark unterdrücktem Immunsystem besteht ein geringes Infektionsrisiko durch die Keime selbst.
Wer besonders darauf achten sollte
- Menschen nach oder während einer Antibiotikatherapie
- Menschen mit Reizdarmsyndrom
- Reisende (Reisedurchfall)
Woher es über die Nahrung kommt
Belege
- 01 Probiotics for the prevention of antibiotic-associated diarrhoea · Cochrane Database of Systematic Reviews · 2019
- 02 Fragen und Antworten zu Probiotika · Bundesinstitut für Risikobewertung · 2022
Siehe auch
Andere Darmflora
Wirkstoffbereiche
Die Datenbank weiterlesen
Vitamine
Organische Verbindungen, die der Körper nicht oder nicht ausreichend selbst herstellt.
Mineralstoffe
Anorganische Nährstoffe, die der Körper in Mengen über 50 mg am Tag braucht.
Spurenelemente
Mineralstoffe, von denen der Körper täglich weniger als 50 mg benötigt.
Fettsäuren
Bausteine der Nahrungsfette, darunter die essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Aminosäuren
Bausteine der Eiweiße, teils essenziell, teils vom Körper selbst herstellbar.
Pflanzenstoffe
Extrakte und Einzelstoffe aus Pflanzen. Für sie ist die Claim-Bewertung bis heute ausgesetzt.
Darmflora
Probiotische Kulturen und Ballaststoffe, die auf die Darmbesiedlung wirken.
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Weitere Stoffe
Körpereigene Verbindungen und Strukturstoffe, die keiner der übrigen Gruppen zufallen.