VI · Pflanzenstoffe
Baldrian
auch: Valeriana officinalis · Baldrianwurzel · Valerianae radix
Das bekannteste pflanzliche Schlafmittel — mit einer Wirkung, die sich erst nach zwei bis vier Wochen einstellt.
Studienlage
Unsere Empfehlung
Drei Präparate mit Baldrian, drei Maßstäbe
- I Wirkstoffsieger
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Was über Baldrian gesagt werden darf
Die Angaben zu diesem Stoff sind bei der EU-Kommission „on hold“. Sie sind weder zugelassen noch abgelehnt — die Bewertung pflanzlicher Stoffe ruht seit 2010. Werbeaussagen dazu sind rechtlich angreifbar.
Als Nahrungsergänzungsmittel darf zu Baldrian keine Wirkung behauptet werden. Als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ist Baldrianwurzel dagegen registriert — bei nervöser Anspannung und Einschlafstörungen, auf Grundlage langjähriger Anwendungserfahrung.
Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert
Warum Baldrian oft als wirkungslos gilt
Der häufigste Anwendungsfehler ist die Erwartung. Baldrian wirkt nicht wie eine Schlaftablette, die nach 20 Minuten müde macht. Die Wirkung baut sich über zwei bis vier Wochen regelmäßiger abendlicher Einnahme auf. Wer ihn dreimal ausprobiert und dann urteilt, hat die Wirkung nie erreichen können.
Der zweite Fehler ist die Dosis. Viele frei verkäufliche Präparate enthalten deutlich weniger als die 400 bis 600 mg Trockenextrakt, mit denen in Studien und in der Arzneimittelmonografie gearbeitet wird.
Was die Studienlage sagt
Metaanalysen kommen zu uneinheitlichen Ergebnissen. Einige finden eine bessere subjektive Schlafqualität, objektive Messungen im Schlaflabor fallen schwächer aus. Die Arzneimittelregistrierung beruht deshalb auf Anwendungserfahrung, nicht auf einem Wirksamkeitsnachweis.
Was für Baldrian spricht: die gute Verträglichkeit, kein Hangover am Morgen, kein Abhängigkeitspotenzial. Damit ist er ein vertretbarer erster Versuch, bevor stärkere Mittel in Betracht kommen — und ohne Ersatz für die Abklärung anhaltender Schlafstörungen.
Verbindungen im Vergleich
Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.
| Form | Aufnahme | Anmerkung |
|---|---|---|
| Trockenextrakt, standardisiert | hoch | Übliches Auszugsmittel Ethanol oder Methanol. In der Regel 400–600 mg je Einzeldosis. |
| Baldriantinktur | hoch | Alkoholischer Auszug, schnell wirksam, für manche geschmacklich schwierig. |
| Baldrianwurzel als Tee | mittel | Traditionell, aber unterdosiert im Vergleich zu Extrakten. Der Geruch ist gewöhnungsbedürftig. |
Wechselwirkungen
Alkohol
verstärktVerstärkte Dämpfung.
Beruhigungs- und Schlafmittel
verstärktAdditive sedierende Wirkung.
Narkosemittel
verstärktVor Operationen die Einnahme angeben und rechtzeitig absetzen.
Wer besonders darauf achten sollte
- Menschen mit Ein- und Durchschlafstörungen
- Menschen mit nervöser Unruhe
Belege
- 01 Assessment report on Valeriana officinalis L., radix · Europäische Arzneimittel-Agentur, HMPC · 2016
- 02 Valerian for sleep — a systematic review and meta-analysis · American Journal of Medicine · 2006
Siehe auch
Andere Pflanzenstoffe
Wirkstoffbereiche
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Vitamine
Organische Verbindungen, die der Körper nicht oder nicht ausreichend selbst herstellt.
Mineralstoffe
Anorganische Nährstoffe, die der Körper in Mengen über 50 mg am Tag braucht.
Spurenelemente
Mineralstoffe, von denen der Körper täglich weniger als 50 mg benötigt.
Fettsäuren
Bausteine der Nahrungsfette, darunter die essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Aminosäuren
Bausteine der Eiweiße, teils essenziell, teils vom Körper selbst herstellbar.
Pflanzenstoffe
Extrakte und Einzelstoffe aus Pflanzen. Für sie ist die Claim-Bewertung bis heute ausgesetzt.
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Probiotische Kulturen und Ballaststoffe, die auf die Darmbesiedlung wirken.
Weitere Stoffe
Körpereigene Verbindungen und Strukturstoffe, die keiner der übrigen Gruppen zufallen.