VIII · Weitere Stoffe
Kollagen
auch: Kollagenhydrolysat · Kollagenpeptide · Gelatine · Typ-I-Kollagen
Wird im Darm in Bausteine zerlegt wie jedes andere Eiweiß — was den beworbenen Weg zur Haut deutlich länger macht, als die Werbung nahelegt.
Studienlage
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Was über Kollagen gesagt werden darf
Für diesen Stoff ist keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste eingetragen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.
Für Kollagen ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Werbung mit Wirkungen auf Haut, Falten, Gelenke oder Haare ist deshalb unzulässig. Zulässig sind allein die Angaben zu enthaltenen Nährstoffen — weshalb vielen Kollagenprodukten Vitamin C zugesetzt wird, das eine zugelassene Angabe zur Kollagenbildung trägt.
Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert
Der Denkfehler in der Werbung
Die Bildsprache ist immer dieselbe: Kollagen wird getrunken und wandert in die Haut. So funktioniert Verdauung aber nicht. Kollagen ist ein Eiweiß und wird im Darm wie jedes andere Eiweiß in Aminosäuren und kurze Peptide zerlegt. Der Körper baut daraus, was er gerade braucht — und das ist nicht notwendigerweise Hautkollagen.
Ganz von der Hand zu weisen ist die Sache dennoch nicht. Bestimmte kollagentypische Dipeptide, vor allem Prolyl-Hydroxyprolin, tauchen nach der Einnahme messbar im Blut auf. Die Hypothese lautet, dass sie als Signal wirken und die Fibroblasten anregen. Bewiesen ist das nicht.
Was die Studien zeigen
Es gibt eine ganze Reihe von Studien zu Hautfeuchtigkeit, Elastizität und Faltentiefe, viele mit positiven Ergebnissen. Nahezu alle sind allerdings klein, kurz und von Herstellern finanziert. Bei Gelenkbeschwerden ist das Bild ähnlich gemischt. Wir bewerten die Evidenz deshalb mit 2 von 5 — es gibt Hinweise, aber keine belastbare Grundlage.
Warum überall Vitamin C beigemischt ist
Das hat einen rechtlichen Grund. Für Kollagen selbst darf nichts versprochen werden, für Vitamin C aber schon: „trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei“. Diese zugelassene Angabe darf ein Produkt tragen, sobald genug Vitamin C darin ist. Der Hinweis auf der Packung bezieht sich also auf das Vitamin, nicht auf das Kollagen — und Vitamin C kostet einen Bruchteil.
Verbindungen im Vergleich
Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.
| Form | Aufnahme | Anmerkung |
|---|---|---|
| Kollagenhydrolysat (Peptide) | hoch | Enzymatisch in kurze Ketten gespalten, kaltwasserlöslich, geschmacksneutral. Die in Studien verwendete Form. |
| Gelatine | mittel | Weniger stark aufgespalten, geliert. Dieselben Aminosäuren, schlechtere Löslichkeit. |
| Undenaturiertes Typ-II-Kollagen (UC-II) | hoch | Anderer Ansatz und andere Dosierung (40 mg statt Gramm), zielt auf eine immunologische Wirkung im Darm. Getrennt zu bewerten. |
| Marines Kollagen | hoch | Aus Fischhaut, etwas kleinere Peptide. Für Menschen mit Fischallergie ungeeignet. |
Wer besonders darauf achten sollte
- Menschen mit sehr geringer Eiweißzufuhr
- Ältere Menschen mit Muskelabbau
Woher es über die Nahrung kommt
Belege
- 01 Health-Claims-Register der Europäischen Union · Europäische Kommission
- 02 Oral collagen supplementation — a systematic review of dermatological applications · Journal of Drugs in Dermatology · 2019
Siehe auch
Andere Weitere Stoffe
Wirkstoffbereiche
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Vitamine
Organische Verbindungen, die der Körper nicht oder nicht ausreichend selbst herstellt.
Mineralstoffe
Anorganische Nährstoffe, die der Körper in Mengen über 50 mg am Tag braucht.
Spurenelemente
Mineralstoffe, von denen der Körper täglich weniger als 50 mg benötigt.
Fettsäuren
Bausteine der Nahrungsfette, darunter die essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Aminosäuren
Bausteine der Eiweiße, teils essenziell, teils vom Körper selbst herstellbar.
Pflanzenstoffe
Extrakte und Einzelstoffe aus Pflanzen. Für sie ist die Claim-Bewertung bis heute ausgesetzt.
Darmflora
Probiotische Kulturen und Ballaststoffe, die auf die Darmbesiedlung wirken.
Weitere Stoffe
Körpereigene Verbindungen und Strukturstoffe, die keiner der übrigen Gruppen zufallen.
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