Warum die Versorgung im Winter kippt
Vitamin D ist der Sonderfall unter den Vitaminen: Der Körper stellt es selbst her, sobald
UV-B-Strahlung auf die Haut trifft. Genau daran hapert es in Deutschland. Zwischen Oktober und
März steht die Sonne hierzulande so flach, dass die UV-B-Anteile die Atmosphäre kaum noch
durchdringen. Die Eigenproduktion fällt in diesen Monaten praktisch auf null — der Körper zehrt
von dem, was er im Sommer im Fett- und Muskelgewebe eingelagert hat.
Wie gut dieser Vorrat reicht, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Das Robert Koch-Institut fand
in seiner Erhebung zur Gesundheit Erwachsener, dass rund 30 Prozent der Bevölkerung unter dem
Schwellenwert von 30 nmol/l liegen, also im Mangelbereich. Weitere 30 Prozent liegen im
Zwischenbereich. Über die Nahrung ist die Lücke schwer zu schließen: Selbst fetter Seefisch, die
mit Abstand ergiebigste Quelle, müsste mehrmals wöchentlich auf den Tisch, um allein die
Zufuhrempfehlung zu decken.
Was die Datenlage hergibt — und was nicht
Für Knochen, Muskulatur und die Calciumverwertung ist die Rolle von Vitamin D unstrittig; das
spiegeln auch die zugelassenen Angaben oben wider. Deutlich schwächer ist die Beweislage überall
dort, wo Vitamin D in den vergangenen Jahren als Allheilmittel gehandelt wurde. Große
Interventionsstudien wie VITAL mit über 25.000 Teilnehmenden fanden bei Menschen mit
ausreichender Versorgung keinen Zusatznutzen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs.
Die belastbare Aussage lautet deshalb: Eine bestehende Unterversorgung auszugleichen bringt
messbaren Nutzen. Eine bereits gute Versorgung weiter aufzustocken bringt keinen.
Dosierung mit Augenmaß
Das BfR schlägt für Nahrungsergänzungsmittel 20 µg (800 IE) am Tag als Höchstmenge vor — ein
Wert, der auch ohne Blutuntersuchung sicher ist. Hochdosispräparate mit 5.000 oder 10.000 IE, wie
sie im Internet gehandelt werden, gehören nicht in die Selbstmedikation. Vitamin D ist
fettlöslich und wird gespeichert; eine Überdosierung entsteht nicht über Nacht, aber über Monate.
Sie äußert sich über einen erhöhten Calciumspiegel mit Übelkeit, Nierensteinen und im Extremfall
Nierenschädigung.
Wer genauer wissen will, wo er steht, lässt den 25-OH-Wert bestimmen. Die Kasse übernimmt das nur
bei begründetem Verdacht; als Selbstzahlerleistung kostet die Bestimmung meist zwischen 20 und
30 Euro.